THE DRESS: Wie mein Brautkleid mich gefunden hat.

img_010_wedding_weddingdressGenau heute vor einem Jahr habe ich mich mit meinen Mädels auf die Suche nach diesem einen wichtigen Kleid gemacht. Der für mich wohl aufregendste Part während der ganzen Hochzeitsplanung.

Vor 30 Jahren, als meine Eltern geheiratet haben, war das alles noch ganz einfach. Meine Mami war im einzigen Laden der Stadt, der Brautkleider hatte und da hingen ganze drei Modelle zwischen denen sie sich entscheiden musste. Trotzdem war sie eine wunderschöne Braut und bestimmt war dieser Tag, an dem sie ihr Kleid gekauft hat, nicht minder aufregend für sie.

Heute ist das anders. Wenn man als bride to be in den Sozialen Netzwerken unterwegs ist um Inspiration zu sammeln, wird man geradezu überrannt von all den Eindrücken, die sich dort tummeln. Man bekommt relativ schnell ein Bild von der perfekten Social Media Braut und muss sich dann erst einmal selbst wieder erden, um sich darüber klar zu werden, was die eigenen Wünsche sind. Die eigenen Wünsche… Das ist bei mir auch schon ohne die ganzen Einflüsse von außen keine leichte Sache. Meistens weiß ich umso deutlicher was ich nicht will, als genau zu wissen was ich will. Und so kam ich an diesem besagten Morgen im letzten November mit meinen Bridesmaids, jeder Menge Freude und Anspannung im Bauch und einer Liste von Gos und No-Gos im Kopf in Veri’s Brautatelier Tara. Über den Schnitt war ich mir tatsächlich noch nicht ganz im Klaren. Körperbetonte Kleider gefielen mir, aber ich hatte auch etwas Angst davor. Viel Spitze sollte es auf jeden Fall sein, eine Knopfleiste, gerne etwas Glitzer.

Und auf gar keinen Fall schulterfrei!

Hat ja fast geklappt. Fast. Wenn mein Mann und ich uns in einer Sache bezüglich des Brautoutfits einig waren, dann eben darin, dass es kein schulterfreies Kleid werden sollte. Als junges Mädchen habe ich mir immer so ein Kleid vorgestellt. Später habe ich dann aber einfach zu viele VOX-Bräute gesehen, die entweder furchtbar einschneidende trägerlose Kleider hatten oder ständig daran rumfummeln mussten, damit sie nicht zu viel preisgeben. Damit war die Vorstellung von nackten Schultern eigentlich abgehakt.

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Ich schätze ich habe zwischen Sektchen und Blaubeer-Muffins und meinen Lieblingsmädchen ungefähr sechs Kleider anprobiert, die irgendwie alle ganz nett, aber eben nicht perfekt waren. Ich konnte immer relativ genau sagen, was mich daran gestört hat, aber eben nicht, wie nun das perfekte Kleid aussehen sollte. Veri hielt sich zwischen meinen mitgebrachten Beraterinnen eher zurück bis wir zum Ende der Anprobe kamen. Da kam sie mit einem Kleid um die Ecke und sagte bestimmt „So und da schlüpfst Du jetzt schnell noch rein, auch wenn es durch Dein Raster fällt.“. Dieses Kleid hatte keine Träger. Ich zog es trotzdem an, Veri öffnete den Vorhang, ich trat auf mein Podest, sah mich im Spiegel und da passierte irgendwas. Diese Spitze, die Schleppe, dieses Kleid. Die Gesichter meiner Bridesmaids. Und plötzlich war da noch dieser Schleier in meinem Haar. Und Tränen in den Augen meiner Trauzeugin. Und dann brachen alle Dämme. Das war dieser Moment von dem immer alle sprachen. Wenn man dieses eine wichtige Kleid für sich gefunden hat und alle waren wir uns einig. Bis auf das Teufelchen in meinem Kopf, das mich daran erinnerte, dass das Kleid ja irgendwie falsch war.

Da zwei meiner Bridesmaids extra aus Frankfurt kamen, hatten wir für diesen Samstag noch einen zweiten Termin in einem anderen Brautmodenladen vereinbart. Irgendwie noch überzeugt davon, dass es doch nicht schon das richtige gewesen sein kann, haben wir diesen Termin dann auch noch wahrgenommen. Er war furchtbar. Anprobe ist nicht gleich Anprobe. In diesem Laden war es mehr eine Massenabfertigung. Ganz abgesehen davon, dass gleich das erste Kleid, das mir gereicht wurde, 700€ über dem genannten Budget lag. Unverschämt.

Der wunderschöne Tag ging zu Ende und ich mit vielen Eindrücken ins Bett. Das Kleid ging mir nicht aus dem Kopf, aber ich brauchte noch eine letzte Rückversicherung, dass das wirklich mein Kleid sein könnte. Am darauffolgenden Montag Morgen ging ich alleine in ein weiteres großes Stuttgarter Brautatelier. Ich hatte Glück, dass an diesem Tag nicht viel los war und ich ohne Termin zu einer Anprobe kommen durfte. Ich ging mit den gleichen Vorgaben in diese Anprobe wie beim ersten Mal. Die Dame und ich gingen durch die Reihen der Brautkleider und suchten ein paar zum Anprobieren aus. Nachdem wir einige ausgewählt hatten, zog sie eines hervor und fragte mich ob ich dieses auch anprobieren würde – sie könne es sich so gut an mir vorstellen. Irgendwie hatte ich da schon so ein Gefühl… Ich habe wirklich alles anprobiert, was ich mir zuvor in Zeitschriften und auf Instagram so ausgesucht hatte. Prinzessinnen-Kleider mit weitem Tüllrock, Pronovias Kleider mit tiefen Rückenausschnitt und Tattoo-Spitze. Alles irgendwie nicht meins. Alles irgendwie zu viel. Ich dachte immer ich würde eine Glitzer-Braut werden, aber die war ich nicht. Vielleicht habe ich mich deswegen aber im Nachhinein bei meinen Jimmy Choos glitzertechnisch ausgetobt. Und dann war da zum Ende der Anprobe wieder dieses Kleid, das die Verkäuferin für mich ausgesucht hatte. Dieses vergleichsweise schlichte Kleid. Das mir irgendwie bekannt vorkam. Und dann stand ich darin vor dem Spiegel und wusste es: Hallo Du, wir hatten doch schon mal das Vergnügen!

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Es war das gleiche Kleid. Wie wahrscheinlich war es, dass zwei völlig fremde Personen mir exakt das gleiche Modell aussuchten? Ein Modell, das nicht mal meiner Vorstellung entsprach? Das gleiche Kleid obwohl noch 3000 andere in diesem Laden hingen? Ziemlich unwahrscheinlich, ziemlich schicksalhaft und ziemlich rührend.

Mein Kleid hat mich gefunden, nicht umgekehrt.

Da war es wieder dieses Gefühl vom ersten Mal und diesmal war ich mir sicher: das ist es! Ich war und bin einfach verliebt in diese flache, feine Spitze, die umsäumte breite Schleppe, den verspielten Herzausschnitt, die lange Knopfleiste und den royalen Schleier dazu. Ich hatte mir mein Kleid nicht so vorstellen können, aber ich hatte das Glück an jemanden mit sehr viel Feingefühl zu geraten. Veri und ich waren auf einer Wellenlänge und es gelang ihr mich besser zu lesen als ich es selbst vermochte. Umso mehr hat es mich gefreut, als sie mich nun ein Jahr später in ihr Team aufgenommen hat. Still und heimlich habe ich es mir immer wieder gedacht, wenn ein Termin in ihrem Laden anstand und nun darf ich das Träumchen leben und zwischen all den wundervollen Kleidern anderen Bräuten dabei helfen und zusehen, wie sie diesen einen entscheidenden Moment erleben.

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Fotos von der süßen Nadine Budja von POUR TOI

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